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Blitze im Sommer 2020: Schwächste Gewittersaison seit mind. 15 Jahren

Blitze im Sommer 2020: Schwächste Gewittersaison seit mind. 15 Jahren

Im Sommer 2020 wurden in Deutschland exakt 2.659.493 Blitzentladungen registriert, davon 732.199 mit einer Stromstärke von mindestens 5 kA. Dieser Wert entspricht dem bislang geringsten Wert seit Beginn der modernen Blitzerfassung. Das blitzreichste Bundesland war Bayern, an letzter Stelle liegt mit Bremen das kleinste Land der Bundesrepublik.

Vom 1. Juni bis zum 31. August registrierte das Blitzmesssystem von nowcast im Hochpräzisionsmessbereich über ganz Deutschland verteilt exakt 2.659.493 Blitzentladungen (Wolken- und Erdblitze), davon 732.199 mit einer Stromstärke von mindestens 5 kA. Dieser Wert stellt den bislang geringsten Wert seit Messbeginn dar, so gab es in diesem Sommer gut 500.000 Blitzentladungen weniger als im Sommer des Vorjahres. Im Vergleich zum Mittel von 2009 bis 2019 wurde in diesem Sommer weniger als die Hälfte der üblichen Anzahl an Blitzentladungen erfasst. Der zweitniedrigste Wert stammt aus dem Sommer 2018, als etwa 868.500 Blitze mit einer Stromstärke von mindesten 5 kA detektiert wurden, somit haben wir innerhalb der letzten drei Jahre die zwei schwächsten Gewittersaisons erlebt. Vor allem im Juli gab es heuer außergewöhnlich wenige Gewitter, so wurde im normalerweise gewittrigsten Monat des Jahres etwa im Saarland kein einziger Blitz erfasst. Deutschlandweit gewitterte es aber immerhin an 73 von 92 Tagen irgendwo im Bundesgebiet: Während es in Hamburg nur 12 Tage mit Blitzentladungen gab, waren es in Bayern 61.

Blitzentladungen >5 kA im Sommer. © UBIMET

Spitzenreiter Bayern

Mit exakt 742.815 Blitzentladungen führt Bayern wie so oft das Bundesländer-Ranking deutlich an, an zweiter Stelle folgt mit 317.046 Blitzen Niedersachsen. Baden-Württemberg komplettiert mit rund 316.484 Entladungen das Podium. Deutlich weniger Gewitter wurden im zurückliegenden Sommer dagegen in der Mitte und im äußersten Norden registriert: Schleswig-Holstein kommt beispielsweise auf lediglich 39.733 Blitze, das kleinste Bundesland Bremen gar nur 1.054.
In Bezug auf die Blitzdichte liegt mit etwa 10.5 Blitzen pro km² ebenfalls Bayern an erster Stelle, gefolgt von Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Brandenburg mit etwa 8 Blitzen pro km². An letzter Stelle liegen Schleswig-Holstein und Bremen mit etwa 2,5 Blitzen pro km² sowie Mecklenburg-Vorpommern und Hessen mit etwa 4 Blitzen pro km².

  1. Bayern 742.815
  2. Niedersachsen 317.046
  3. Baden-Württemberg 316.484
  4. Nordrhein-Westfalen 266.841
  5. Brandenburg 239.085
  6. Rheinland-Pfalz 165.828
  7. Sachsen-Anhalt 160.748
  8. Sachsen 108.571
  9. Mecklenburg-Vorpommern 97.141
  10. Hessen 89.049
  11. Thüringen 86.937
  12. Schleswig-Holstein 39.733
  13. Saarland 18.108
  14. Berlin 5.064
  15. Hamburg 4.989
  16. Bremen 1.054
Blitze im Sommer 2020. © nowcast / UBIMET

Blitzreichsten Landkreise

  • Biberbach (Baden-Württemberg) 31.712
  • Börde (Sachsen-Anhalt) 30.426
  • Jerichower Land (Sachsen-Anhalt) 29.178
  • Alb-Donau-Kreis (Baden-Württemberg) 28.477
  • Straubing-Bogen (Bayern) 27.226
Blitzdichte auf Gemeindebasis –> Zoom hier. © UBIMET

Stärkster Blitz in Bayern

Die Kraft von Blitzen wird über die Stromstärke in der Einheit Ampere angegeben. Der stärkste Blitz des Landes wurde in Bayern im Kreis Roth gemessen: Spitzenreiter ist eine Entladung mit rund 402 kA in der Nacht zum 2. Juli in Thalmässing. Kurzzeitig gab es dabei eine 25.000 mal höhere Stromstärke, als in einer haushaltsüblichen Steckdose mit 16 Ampere verfügbar ist.

  1. Thalmässing (Roth) 402 kA (2. Juli)
  2. Herzogenrath (Aachen) 399 kA (11. August)
  3. Eisenhüttenstadt (Oder-Spree) 373 kA (13. Juni)

Unwetter am 13. Juni

Der mit Abstand gewitterreichste Tag des Sommers war der 13. Juni, als etwa 450.000 Blitzentladungen erfasst wurden, davon allein 133.000 in Brandenburg bzw. 110.000 in Niedersachsen. An zweiter bzw. dritter Stelle folgen der 26. Juni mit 160.000 Entladungen und der 11. August mit 146.000.

Blitze am 13. Juni 2020. © UBIMET

Die Gewitter haben heuer vor allem für lokalen Starkregen und Überflutungen gesorgt, so gab es etwa in Bottmersdorf-Klein Germersleben (Sachsen-Anhalt) am 13. Juni rund 100 L/m² Regen in weniger als 5 Stunden. Ähnlich große Regenmengen von mehr als 80 L/m² in zwei Stunden wurden beispielsweise auch in Nattheim-Fleinheim (Baden-Württemberg) am 2. August oder in Twist-Hebelermeer (Niedersachsen) am 14. August gemessen.


Großen Hagel mit einem Durchmesser >3 cm gab es dagegen nur vereinzelt wie etwa lokal am 13. Juni in Brandenburg. Auch Orkanböen wurden nur vereinzelt gemessen, die höchste Spitze liegt bei 130 km/h in Chieming am 28. Juni.